Europa erlebt 2026 einen der extremsten Mai-Monate der Messgeschichte. Eine außergewöhnlich frühe Hitzewelle treibt die Temperaturen auf Sommerniveau – mit über 10 Grad Abweichung vom Klimamittel, zahlreichen Rekorden und spürbaren gesundheitlichen Folgen.
Globale und europäische Einordnung
Der Mai 2026 war weltweit der zweitwärmste Mai seit Beginn der Aufzeichnungen.
Auch Europa verzeichnete außergewöhnliche Werte:
Der Monat lag auf Platz sieben der wärmsten Mai-Monate, gleichzeitig wurde eines der drittwärmsten Frühjahre überhaupt registriert.
Besonders auffällig war die Entwicklung der Ozeane
Die Meeresoberflächentemperaturen außerhalb der Polarregionen erreichten den zweit-höchsten je gemessenen Mai-Wert, mit außergewöhnlich warmen Bedingungen im tropischen Pazifik.
Auch die Kryosphäre zeigte deutliche Anomalien
Das arktische Meereis lag auf einem viertniedrigsten Mai-Niveau, während die Antarktis den siebtniedrigsten Stand für diesen Monat verzeichnete.
Gleichzeitig herrschten in weiten Teilen Europas sowie in anderen Regionen der Nord- und Südhalbkugel deutlich zu trockene Bedingungen, begünstigt durch stabile Hochdrucklagen
Westeuropa: Frühe Extrem-Hitzewelle Ende Mai 2026
Zwischen dem 21. und 30. Mai 2026 kam es in Westeuropa zu einer außergewöhnlich frühen und intensiven Hitzewelle. Besonders betroffen waren Westfrankreich, England und Wales, wo die Temperaturen teilweise mehr als 10 °C über dem klimatologischen Mittel lagen (ERA5-Reanalyse).
Rekorde im Frühling
Die Hitze führte zu einer Reihe von Rekorden:
Lokale und nationale Temperaturrekorde wurden in mehreren Ländern gebrochen Portugal, Großbritannien und Irland meldeten vorläufig ihre höchsten je gemessenen Mai-Temperaturen
Frankreich registrierte den heißesten Maitag seiner Messgeschichte.
Starke Hitzebelastung in weiten Teilen Europas
Die gefühlte Temperatur (unter Berücksichtigung von Luftfeuchte, Wind und Strahlung) erreichte großflächig 35 bis 40 °C. Damit herrschte vielerorts starke bis sehr starke Hitzebelastung.
Gesundheitliche Auswirkungen
Die frühe Intensität der Hitzewelle hatte messbare Folgen:
Spanien: 101 hitzebedingte Todesfälle im Mai
Frankreich: 7 Todesfälle, darunter auch Unfallgeschehen im Zusammenhang mit Hitze
Vereinigtes Königreich: mindestens 15 Todesfälle, überwiegend durch Wasserunfälle während der Hitzephase Der abrupte Temperaturanstieg verstärkte die Belastung zusätzlich, da kaum Zeit zur physiologischen Anpassung bestand.
Ursache: Stabiler Hochdruck – „Hitzedom" über Europa
Auslöser der Hitzewelle war ein stationäres Hochdrucksystem über Westeuropa verursachte wolkenarmes, sonnenscheinreiches Wetter und sehr schwache Windbewegungen, mit folglich starke Aufheizung der bodennahen Luftschichten.
Zusätzlich wurde heiße Luft aus dem Raum Nordafrika (Marokko) nach Europa transportiert.
Marine Hitzewellen verstärken den Effekt
Parallel traten im Ärmelkanal, in der Irischen See, in der Biskaya und im westlichen Mittelmeer ausgeprägte marine Hitzewellen auf.
Die ungewöhnlich warmen Meeresoberflächen reduzierten die nächtliche Abkühlung und verstärkten damit die Wärmebelastung an den Küstenregionen zusätzlich.
Schneller Wetterwechsel als Risikofaktor
Bemerkenswert war der extreme Übergang: Vor der Hitzewelle herrschten teilweise noch unterdurchschnittliche Temperaturen. Der abrupte Wechsel um den 20. Mai führte zu einer besonders hohen Belastung für Mensch und Natur.
Am Ende blieb der Monat trotz der Extremphase „nur" der siebtwärmste Mai, mit einer Mitteltemperatur von 13,87 °C (+0,60 °C gegenüber 1991–2020).
Langfristiger Klimatrend Europa gilt als der sich am schnellsten erwärmende Kontinent der Erde
Seit Mitte der 1990er Jahre steigen die Temperaturen im Mittel um etwa +0,56 °C pro Dekade. Damit nehmen Häufigkeit, Intensität und auch der zeitliche Beginn von Hitzewellen deutlich zu – auch außerhalb der klassischen Sommermonate.
Quelle: Copernicus Climate Change Service (C3S Monthly Climate Bulletin, basierend auf ERA5-Reanalyse-Daten des ECMWF) https://climate.copernicus.eu/what-do-we-know-about-europes-early-and-intense-heatwave-may-2026