Dominik Jung
Blaualgen in Bayern, Hessen und Hamburg: Badeverbote breiten sich vor der nächsten Hitzewelle aus
Erst der Öjendorfer See in Hamburg, dann der Deininger Weiher südlich von München, dazu Sperrungen am Aartalsee und am Buga-See in Kassel: Innerhalb weniger Tage haben Gesundheitsämter in mehreren Bundesländern Badestellen dichtgemacht. Verantwortlich sind Blaualgen – und die nächste Hitzewelle liefert ihnen ab dem Wochenende genau das, was sie brauchen.
Badeverbote von Hamburg bis ins Alpenvorland
Am 4. August sperrte das Bezirksamt Hamburg-Mitte den Öjendorfer See an Nord- und Südseite, am Eichbaumsee gilt für die Badestelle Ost ebenfalls ein Verbot. Einen Tag später traf es den Deininger Weiher im Landkreis München, nachdem Proben vom 3. August ein stark erhöhtes Vorkommen von Cyanobakterien gezeigt hatten. In Hessen sind unter anderem der Buga-See in Kassel, der Aartalsee und der Schultheis-Weiher in Offenbach gesperrt, in Bayern zusätzlich Altmühlsee, Simssee und die Donau im Kreis Kelheim. Auch am Tollensesee und Reitbahnsee in Neubrandenburg warnen die Behörden.
Wärme, Nährstoffe und kaum Zufluss
Blaualgen sind eigentlich keine Algen, sondern Cyanobakterien, die in jedem Gewässer vorkommen und erst in Massen zum Problem werden. Sie brauchen Wärme, Nährstoffe und ruhiges Wasser – und genau das liefert dieser Sommer. Am Bodensee wurden am Donnerstag 26,4 Grad an der Oberfläche gemessen, der Rhein bei Koblenz lag Ende Juni bei knapp 30 Grad, der Berliner Müggelsee Anfang Juli nahe 30 statt der üblichen 25 Grad. Weil der Regen fehlt, verdünnt kaum Zufluss die Nährstoffe, und flache Seen heizen sich bis zum Grund durch.
Sichttiefe prüfen und Hunde fernhalten
Als Faustregel gilt: Wer knietief im Wasser die eigenen Füße nicht mehr sieht, sollte nicht baden. Möglich sind Haut- und Schleimhautreizungen, Bindehautentzündungen und beim Verschlucken größerer Mengen Übelkeit. Besonders gefährdet sind Kleinkinder und Hunde, bei denen die Gifte akute Leberschäden auslösen können. Ab dem Wochenende wird es wieder heißer, im Westen und Süden zeichnen sich Anfang nächster Woche verbreitet 35 Grad und mehr ab. Die Liste der gesperrten Seen dürfte länger werden, umgekehrt brechen Blüten manchmal binnen Tagen zusammen. Verlässlich ist nur der Blick auf die Meldungen des Gesundheitsamts.