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​Lawinenwarnstufe 5 im Wallis: Extrem-Schneefälle führen zu Zugentgleisung bei Goppenstein

​18. Februar 2026 – Massive Schneefälle und starke Winde haben in den vergangenen Tagen weite Teile der Schweizer Alpen in eine hochkritische Lawinensituation versetzt.

Im Kanton Wallis wurde die Gefahrenstufe zeitweise auf 5 (sehr groß) angehoben – die höchste Kategorie der europäischen Lawinenskala. 


Infolge der extremen Bedingungen kam es am Montagmorgen zu einer Zugentgleisung auf der Lötschberg-Achse. Ein Regionalzug zwischen Goppenstein und Brig entgleiste gegen 08:30 Uhr, nachdem eine Lawine die Gleise im Bereich des Stockgalerie-Tunnels verschüttet hatte. Nach Angaben der Kantonspolizei Wallis befanden sich 29 Personen an Bord, fünf wurden verletzt, eine Person musste ins Krankenhaus nach Sitten transportiert werden. Ermittler gehen davon aus, dass die Schneemassen die Strecke bereits blockierten, als der Zug den Tunnel verließ.

Die wichtige Nord-Süd-Verbindung bleibt vorerst gesperrt. Auch weitere Verkehrswege im Wallis, darunter Straßenverbindungen sowie Abschnitte der Matterhorn-Gotthard-Bahn, waren zeitweise geschlossen.

Meteorologische Ausgangslage: Staulage und Windverfrachtung

Die kritische Situation entstand durch eine ausgeprägte Nordwestströmung, die feuchte Atlantikluft gegen den Alpenhauptkamm führte. Durch den orographischen Staueffekt intensivierten sich die Niederschläge erheblich. Innerhalb von 48 Stunden fielen in Teilen des südlichen Wallis große Neuschneemengen.

Gleichzeitig traten in höheren Lagen starke bis stürmische Winde auf. Diese führten zu massiver Windverfrachtung, wodurch sich auf Leehängen zusätzliche Schneepakete bildeten. Solche Triebschneeansammlungen erhöhen lokal die Belastung der Schneedecke erheblich.

Instabile Schneedecke als Hauptursache

Nach Angaben des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) lag unter dem Neuschnee eine bereits geschwächte Altschneedecke. Kälteperioden zuvor hatten kantige Kristallstrukturen („Becherkristalle") entstehen lassen – typische Schwachschichten mit geringer Bindung.

Die Kombination aus:

  • hoher Zusatzlast durch Neuschnee
  • Windverfrachtung
  • fragiler Basisschicht

stellt eine klassische Konstellation für Schneebrettlawinen dar. Dabei bricht eine zusammenhängende Schneeschicht entlang einer Schwachzone und gleitet hangabwärts ab.

Da die Lawine offenbar bereits vor Eintreffen des Zuges abgegangen war, spricht vieles für einen spontanen Lawinenabgang infolge Überlastung – nicht für eine direkte Auslösung durch Erschütterung.

Warnstufe 5: Seltene, aber extreme Lage

Die Gefahrenstufe 5 wird nur ausgerufen, wenn mit zahlreichen großen, spontan abgehenden Lawinen gerechnet werden muss, die Verkehrswege und Siedlungen gefährden können. Zwischenzeitlich wurde die Warnstufe wieder auf 4 („groß") gesenkt, jedoch bleibt die Schneedecke laut SLF weiterhin störanfällig.

Charakteristisch für eine solche Situation sind:

  • großflächige spontane Lawinenaktivität
  • Gefährdung alpiner Infrastrukturen
  • anhaltende Sensibilität der Schwachschichten

Selbst nach Ende intensiver Schneefälle bleibt die Gefahr bestehen, solange sich die Schneedecke nicht ausreichend gesetzt hat.

Auswirkungen auf Infrastruktur und Logistik

Die Sperrung der Lötschberg-Achse hat erhebliche Folgen für den Personen- und Güterverkehr. Die Strecke ist eine zentrale Nord-Süd-Verbindung durch die Alpen. Umleitungen über andere Alpenrouten verlängern Transportzeiten deutlich.

Auch Tourismusorte wie Zermatt und Saas-Fee waren zeitweise nur eingeschränkt erreichbar. Ersatzverkehre wurden eingerichtet, jedoch behinderten weitere Lawinenabgänge teilweise auch Räumarbeiten.

Der Vorfall zeigt erneut die meteorologische Verwundbarkeit alpiner Verkehrsinfrastruktur trotz moderner Schutzgalerien und Frühwarnsysteme.

Klimatische Einordnung

Einzelne Extremereignisse lassen sich nicht unmittelbar dem Klimawandel zuschreiben. Allerdings wird in der Klimaforschung untersucht, inwiefern sich Intensität und Dynamik winterlicher Starkniederschlagslagen verändern.

Relevante Faktoren sind:

  • Veränderungen in der Jetstream-Dynamik
  • längere Persistenz von Staulagen
  • erhöhte Feuchteaufnahme milder Atlantikluft
  • Intensive Niederschlagsphasen in kurzer Zeit erhöhen grundsätzlich das Risiko für Schneelast- und Lawinenereignisse.


Die Ereignisse im Wallis verdeutlichen das Zusammenspiel aus extremem Neuschnee, Windverfrachtung und instabiler Schneeschichtung. Die Zugentgleisung bei Goppenstein war kein isolierter Vorfall, sondern die direkte Folge einer außergewöhnlich angespannten Lawinenlage.

Für Meteorologie und Lawinenforschung unterstreicht der Vorfall die Bedeutung präziser Schneedeckenanalysen, kontinuierlicher Gefahreneinschätzungen und resilienter Infrastrukturplanung im alpinen Raum.

Quellen

VisaHQ News (18.02.2026):

https://www.visahq.com/news/2026-02-17/ch/avalanche-danger-forces-closure-of-swiss-alpine-roads-and-rail-regional-train-derailed/

RailTech.com (16.02.2026):

https://www.railtech.com/safety/2026/02/16/swiss-train-crash-several-injured-after-avalanche-derails-train-in-alps/

WSL – Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF (Lawinenbulletin):

https://www.slf.ch/

SRF – Schweizer Radio und Fernsehen (Berichterstattung zur Lawinenlage):

https://www.srf.ch/