Johannes Graf
Tennisball-Hagel und Superzellen: Unwetter beenden Deutschlands Hitze
Die Hitze über Deutschland läuft auf ihren Höhepunkt zu – und wird nun gewaltsam gesprengt. Nach einer Hagelnacht im Norden mit tennisballgroßen Körnern, überfluteten Kellern und Hunderten Notrufen zieht die Unwettergefahr am Dienstag weiter nach Süden. Der DWD warnt vor Superzellen, Sturmböen und heftigem Starkregen.
Hagel wie im Winter: Radlader räumen die Straßen
In der Nacht zum Montag und am Montagabend fegten Superzellen über Norddeutschland. Im Landkreis Ludwigslust-Parchim türmten sich tennisballgroße Hagelkörner wie nach winterlichem Schneefall – Radlader mussten die Straßen räumen, rund 168 Notrufe gingen binnen einer Stunde ein. In Heidenau im Landkreis Harburg zählten die Leitstellen etwa 250 Notrufe und 600 Feuerwehreinsätze. Zertrümmerte Autoscheiben, aufgerissene Dächer, überflutete Keller und umgestürzte Bäume blieben zurück. "So ein Chaos", staunte eine Anwohnerin, "habe ich in 18 Jahren nicht erlebt."
Dienstag: Superzellen-Gefahr im Süden
Am Dienstag verlagert sich die Unwettergefahr nach Süden. Von den nördlichen Mittelgebirgen entwickeln sich ab dem Nachmittag kräftige Gewitter, die südwärts ziehen – im Fokus stehen Baden-Württemberg und Bayern. Zuvor heizt die Luft im Südwesten noch auf 32 bis 36 Grad auf. Der DWD warnt vor heftigem Starkregen, Hagel und Sturmböen bis um 110 km/h. Weil die Luftmasse extrem energiereich ist, schließen die Meteorologen Superzellen und einzelne Tornados nicht vollständig aus.
Skandinavien-Tief reißt die Hitzeblase auf
Verantwortlich für den Umschwung ist ein Tief über Skandinavien, das die Hochdruckbrücke sprengt und eine Lücke in die Hitzeblase reißt. Bis zum Wochenende bleibt es wechselhaft mit immer neuen, teils unwetterartigen Schauern und Gewittern, schwerpunktmäßig im südlichen Baden-Württemberg und in Bayern. Im Norden wird es ab Donnerstag kühler, am Samstag sinken die Werte verbreitet auf 20 bis 26 Grad. Eine echte Wetterberuhigung ist das aber noch nicht – die Hitze könnte bald zurückkehren.