Johannes Graf
Texas-Hochwasser: Wieder Rekordpegel am Guadalupe – doch diesmal heulen die Sirenen
Kaum ein Jahr nach der Flutkatastrophe vom 4. Juli 2025 steht das texanische Hill Country wieder unter Wasser. Bis zu 53 Zentimeter Regen ließen den Guadalupe River erneut auf über elf Meter anschwellen. Doch diesmal endete die Nacht anders – weil um 3.32 Uhr Sirenen losheulten, die es vor einem Jahr noch nicht gab.
Bis zu 53 Zentimeter Regen in vier Tagen
Ein mesoskaliger konvektiver Wirbel pumpte tagelang feuchte Luft vom Golf von Mexiko heran und entlud sie immer wieder über derselben Region – stellenweise mit fünf bis zehn Zentimetern Regen pro Stunde. In Uvalde fielen von Montag bis Donnerstag mehr als 53 Zentimeter, in Kerrville rund 48 Zentimeter. Auf den gesättigten, felsigen Böden der berüchtigten "Flash Flood Alley" genügt schon gut ein Zentimeter pro Stunde für eine Sturzflut. Der Guadalupe River kletterte am Pegel Comfort auf 11,3 Meter – die Schwelle für schweres Hochwasser liegt dort bei 8,5 Metern. Gouverneur Greg Abbott rief für knapp 60 Countys den Notstand aus.
Um 3.32 Uhr schlug das Warnnetz an
Am Campingplatz Howdy's and River Run bei Ingram lösten sechs Sirenentürme des Systems River Sentry aus, als die Sensoren mitten in der Nacht den steigenden Pegel registrierten. Die 135 Dezibel lauten Lautsprecher weckten Camper und Anwohner, der Platz wurde geräumt. Drei der Türme riss das Wasser mit – sie standen bewusst zwischen Fluss und Schlafhütten. Das Netz arbeitet autark mit Solarstrom und Funk und meldet auch dann noch, wenn Strom, Mobilfunk und Internet längst ausgefallen sind. Ein Turm kostet rund 7.500 Dollar. Laut Abbott sprachen alle Sirenen an, eine mit einigen Minuten Verzögerung.
Zwei Tote statt mehr als 130
Die Bilanz fällt bislang völlig anders aus als im Vorjahr. 2025 starben im Hill Country mehr als 130 Menschen, rund 120 davon im Kerr County, darunter 27 Kinder und Betreuer im Feriencamp Camp Mystic. Diesmal wurden bisher zwei Todesopfer gemeldet, beide in Fahrzeugen: ein Mann in einem Wohnmobil bei Comfort, ein weiterer nördlich von Uvalde im Auto. Über 230 Menschen holten Einsatzkräfte mit Booten und Hubschraubern aus den Fluten. Nach der Katastrophe hatte Texas Sirenen finanziert und Ferienlager verpflichtet, bei Hochwasserwarnungen auf höheres Gelände zu evakuieren. Große Schutzbauten brauchen aber noch Jahre.