Dominik Jung
Badeverbote wegen Blaualgen von Hamburg bis Bayern: Warum die neue Wärmephase die Lage verschärfen kann
Der Hochsommer lädt zum Sprung ins kühle Nass ein, doch immer mehr Seen sind gesperrt. Von Hamburg über Kassel bis ins Münchner Umland haben Gesundheitsämter wegen Blaualgen Badeverbote verhängt. Verantwortlich ist ein Zusammenspiel aus rekordwarmem Wasser, wenig Wind und reichlich Nährstoffen. Und die nächste Wärmephase steht schon in den Startlöchern.
Gesperrte Seen quer durch die Republik
Am Öjendorfer See in Hamburg gilt seit dem 4. August ein Badeverbot für Nord- und Südseite, am Deininger Weiher südlich von München seit dem 3. August. In Hessen führt die Übersicht der Gesundheitsämter Badeverbote für den Buga-See in Kassel, den Aartalsee, den Edersee und den Schultheis-Weiher in Offenbach, dazu mehrere Badewarnungen etwa in Darmstadt und Gießen. Der Badegewässer-Atlas Niedersachsens listet drei Badeverbote sowie elf Gewässer mit Blaualgenwarnung, darunter das Steinhuder Meer und alle fünf Badestellen am Zwischenahner Meer.
Warum 2026 ein Blaualgenjahr ist
Cyanobakterien sind keine Algen, sondern Bakterien, und sie profitieren von genau dem Wetter dieses Sommers. Das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei maß am Berliner Müggelsee zwischen dem 17. Juni und dem 4. Juli bis zu 32,7 Grad im Uferbereich und 30,2 Grad an der Messstation. Bundesweit stiegen die Oberflächentemperaturen der Seen zwischen 1990 und 2020 um rund ein halbes Grad pro Jahrzehnt. Hinzu kommt: Quagga-Muscheln, die das Wasser filtern, stellen oberhalb von 28 Grad ihre Arbeit ein und sterben bei etwa 32 Grad.
Was Badegäste jetzt beachten sollten
Am Ufer hilft eine Faustregel des Umweltbundesamtes: Reicht die Sichttiefe noch mindestens einen Meter, ist eine gesundheitsgefährdende Menge an Cyanobakterien unwahrscheinlich. Wer im knietiefen Wasser die eigenen Füße nicht mehr sieht oder grünliche Schlieren treiben sieht, bleibt besser draußen. Das gilt besonders für Kinder und Hunde, denen die Gifte akut die Leber schädigen können. Der Deutsche Wetterdienst erwartet ab Donnerstag im Südwesten wieder starke Wärmebelastung, erst zum Wochenende bringen kräftige Gewitter etwas Durchmischung.