Dominik Jung
Über 80 Kreise verbieten die Wasserentnahme: Warum die Gewitter dem Grundwasser kaum helfen
Nicht die Hitze ist das eigentliche Problem, sondern was unter der Erde passiert. Nach fünf zu trockenen Monaten in Folge sinken die Grundwasserstände in Deutschland verbreitet ab, und mehr als 80 Landkreise, Städte und Versorger haben inzwischen Entnahmeverbote oder Sparappelle erlassen. Die kräftigen Gewitter dieser Woche werden daran wenig ändern – und das hat einen einfachen Grund.
Verbote von Konstanz bis Dresden
Übersichten von Ende Juli zeigen: Über 80 Landkreise, Städte und Wasserversorger haben Entnahmen aus Bächen, Flüssen und Seen untersagt, die Rasenbewässerung eingeschränkt oder zum Sparen aufgerufen – von Konstanz, Esslingen und Lörrach über Köln und Leipzig bis nach Dresden und in den Main-Kinzig-Kreis. Im Landkreis Aschaffenburg gilt das Verbot bis Ende August, in Dresden und Chemnitz bis Ende Oktober. Die Bußgelder klaffen weit auseinander, von bis zu 10.000 Euro in Konstanz bis zu sechsstelligen Summen anderswo. Erlaubt bleibt meist das Gießen mit der Kanne und mit gesammeltem Regenwasser.
Jeder zweite Kreis unter Grundwasserstress
Die Zahlen erklären die Härte der Maßnahmen. Von 288 bundesweit ausgewerteten Grundwasserpegeln lagen Ende Juli 156 im Bereich niedrig, sehr niedrig oder extrem niedrig. Bayerns Landesamt für Umwelt meldete Ende Juli niedrige Werte an 81 Prozent der oberflächennahen Messstellen, und selbst 74 Prozent der tieferen Grundwasserstockwerke sind betroffen – bei einem Niederschlagsdefizit von rund 32 Prozent. In Hessen fielen binnen zwei Wochen 84 Prozent der Messwerte weiter ab. Fachleute sprechen davon, dass mittlerweile fast jeder zweite Landkreis unter Grundwasserstress steht.
Starkregen füllt keine Speicher
Die Gewitter am Dienstag und Mittwoch bringen örtlich um 20, lokal bis 40 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit – ausgerechnet die Regenform, die den Böden am wenigsten nützt. Auf ausgetrockneten, verkrusteten Oberflächen läuft ein großer Teil oberflächlich ab, statt langsam in die Tiefe zu sickern. Ein DWD-Meteorologe formulierte es deutlich: Nötig wäre ein ganzer Monatsniederschlag als mäßiger Landregen innerhalb weniger Tage, und der ist derzeit nicht absehbar. Entsprechend bleiben die Pegel tief – die Elbe in Dresden stand Ende Juli bei 55 Zentimetern, im Mittel sind es 156.