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Grundwasser sinkt weiter: Über 80 Landkreise verbieten Wasserentnahme aus Bächen und Flüssen

Nach fünf zu trockenen Monaten in Folge reicht die Dürre in Deutschland längst tief in den Boden. In Baden-Württemberg liegt inzwischen jede zweite Grundwassermessstelle unter dem Normalbereich, bundesweit haben mehr als 80 Landkreise, Städte und Versorger die Wasserentnahme eingeschränkt. Und echter Nachschub ist vor dem Winter kaum zu erwarten.

​Jede zweite Messstelle unter dem Normalbereich

Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg meldete am 4. August, dass zu Monatsbeginn 52 Prozent der Grundwassermessstellen unter dem Normalbereich lagen – Anfang Juli waren es erst 36 Prozent. An einem Drittel der Messstellen fielen die Werte sogar unter das niedrigste Juli-Niveau der vergangenen 30 Jahre. Im Juli gab es praktisch keine Grundwasserneubildung mehr. Da das Land rund 75 Prozent seines Trinkwassers aus dem Grundwasser bezieht, wiegt das schwer. Großflächige Engpässe erwartet die LUBW bislang nicht, wohl aber Probleme zu Spitzenverbrauchszeiten.

​Von Marburg bis Osnabrück greifen die Verbote

Über 80 Landkreise, Städte und Wasserversorger haben inzwischen Entnahmeverbote erlassen, Beregnung eingeschränkt oder zum Sparen aufgerufen. Der Kreis Marburg-Biedenkopf untersagte zum 5. August bis auf Weiteres jede Entnahme aus Bächen, Flüssen und Seen, Verstöße können bis zu 100.000 Euro kosten. Im Landkreis Aschaffenburg gilt das Verbot bis zum 31. August, in Stadt und Landkreis Osnabrück vom 7. August bis Ende September. In München hatten die Stadtwerke schon Mitte Juli Pools, Rasensprengen und Autowaschen untersagt – diese Anordnung lief zum 1. August aus, nachdem der Verbrauch auf rund 330 Millionen Liter pro Tag zurückgegangen war.

​Warum Sommergewitter die Speicher nicht füllen

Ursache ist der fünfte zu trockene Monat in Folge. Im Juli fielen laut DWD bundesweit nur etwa 40 Liter pro Quadratmeter statt 78 im Mittel von 1961 bis 1990, im Westen gebietsweise weniger als zehn. In Nordrhein-Westfalen war es mit 18 Litern der trockenste Juli seit Messbeginn 1881. Entscheidend für die Speicher ist aber das Winterhalbjahr: Sommerregen verdunstet oder wird von Pflanzen aufgenommen, kaum ein Tropfen sickert bis ins Grundwasser. Der DWD rechnet bis zum 14. August mit weitgehend ruhigem Wetter und nur am Sonntag und Montag mit einzelnen kräftigen Gewittern – deren Starkregen läuft auf ausgedörrtem Boden meist oberflächlich ab.