Johannes Graf
Rhein auf Rekordkurs: Pegel Kaub fällt auf 36 Zentimeter
Deutschlands wichtigste Wasserstraße schrumpft. Am Nadelöhr Kaub im Mittelrheintal zeigt der Pegel an diesem Montag nur noch 36 Zentimeter – mit weiter fallender Tendenz. So wenig Wasser wie in diesem Juli floss seit 1900 noch nie durch den deutschen Rhein. Und das Allzeit-Tief von 2018 rückt in greifbare Nähe.
Von 125 auf 36 Zentimeter in drei Wochen
Am 4. Juli stand der Pegel Kaub noch bei rund 125 Zentimetern. Elf Tage später waren es 41, am Montagmorgen nur noch 36 Zentimeter. Zum Vergleich: Der für die Schifffahrt maßgebliche Gleichwertige Wasserstand liegt bei 77 Zentimetern. Die amtliche Vorhersage der Bundesanstalt für Gewässerkunde reicht bis zum Monatsende in eine Spanne von etwa 20 bis 35 Zentimetern. Der tiefste je gemessene Wert an dieser Stelle stammt vom 22. Oktober 2018 und lautet 25 Zentimeter.
Ein Defizit, das im Frühjahr begann
Der Deutsche Wetterdienst zog Mitte Juli eine klare Bilanz: Am gesamten deutschen Rheinabschnitt gab es seit 1900 noch nie so niedrige Juli-Abflüsse, und auch die Donau unterbot ihre bisherigen Juli-Rekorde um mehr als zehn Prozent. Die Ursachen reichen weit zurück. Das Frühjahr brachte bundesweit nur rund zwei Drittel des üblichen Niederschlags, in Bayern war es das trockenste seit über 140 Jahren. Dazu kamen eine frühe Schneeschmelze in den Alpen und die enorme Verdunstung der Hitzewellen.
Schiffe fahren mit einem Drittel Ladung
Die Folgen sind längst spürbar. Viele Binnenschiffe können derzeit nur etwa ein Drittel ihrer üblichen Traglast mitnehmen, die Reedereien erheben Kleinwasserzuschläge auf die Frachtraten. Thyssenkrupp Steel drosselte bereits die Hochofenproduktion und stellte die eigene Schubschifffahrt ein. Entspannung ist kaum in Sicht: Der DWD erwartet zur Wochenmitte erneut starke bis extreme Wärmebelastung, und die angekündigten Gewitter bringen nur punktuell Regen. Für den Rhein ist das ein Tropfen auf den heißen Stein.