Dominik Jung
Sonnenfinsternis am Mittwochabend: Warum über Deutschland der freie Blick zum Westhorizont entscheidet
Am Mittwochabend schiebt sich der Mond vor die untergehende Sonne. In Deutschland werden je nach Region 85 bis 90 Prozent der Sonnenscheibe verdeckt – so viel laut DLR erst wieder im Jahr 2075. Der Haken liegt aber nicht hoch am Himmel, sondern knapp darüber: Wer keine freie Sicht nach Westen hat, sieht von dem Schauspiel nichts.
Fast neun Zehntel der Sonne verschwinden
Die Finsternis beginnt in Deutschland gegen 19 Uhr, auf Sylt bereits um 19:12 Uhr, das Maximum fällt kurz nach 20:10 Uhr. Am größten ist die Bedeckung im Südwesten mit rund 90 Prozent entlang der Linie Freiburg–Konstanz, München erreicht 89 Prozent, Köln 88,3, Berlin und Hamburg jeweils 85 Prozent. Ein so hoher Wert wird in Deutschland nach DLR-Angaben erst am 13. Juli 2075 wieder erreicht. Vollständig verfinstert ist die Sonne nur in einem schmalen Streifen über Grönland, Island und Nordspanien – dort erstmals seit 1905.
Die letzten Grad über dem Horizont sind das Risiko
Entscheidend ist nicht die Bewölkung über dem Kopf, sondern der Ausschnitt knapp über dem Westhorizont. Die Sonne steht zum Maximum nur noch wenige Grad hoch und geht vielerorts als Sichel unter. Der Blick führt dabei durch ein Vielfaches der Luftmasse, die bei hohem Sonnenstand im Weg wäre – schon flache Wolkenfelder, Sommerdunst oder ein Hügelrücken reichen zum Fehlschlag. Der DWD erwartet am Mittwoch nach Abzug eines Skandinavientiefs überwiegend trockenes, schwachwindiges Hochsommerwetter, im Westen und Norden aber zeitweise wolkig. An den Alpen und im Südschwarzwald sind einzelne Gewitter mit Starkregen und Hagel möglich.
Augenschutz Pflicht, Sternschnuppen als Zugabe
Ohne geprüften Filter ist der Blick in die Sonne gefährlich. Das Bundesamt für Strahlenschutz verweist auf Brillen nach DIN EN ISO 12312-2:2015 mit CE-Kennzeichnung, die nur etwa 0,001 Prozent des Lichts durchlassen. Ein Warnsignal gibt es nicht, Netzhautschäden entstehen schmerzfrei. Ferngläser, Teleskope und Kameras brauchen eigene Objektivfilter, geschwärztes Glas oder CDs sind untauglich. Wer danach draußen bleibt, wird belohnt: Die Perseiden erreichen in der Nacht zum 13. August bei Neumond ihr Maximum, unter dunklem Landhimmel sind 50 bis 70 Meteore pro Stunde möglich.