Dominik Jung
Tornadobilanz zur Halbzeit: In Deutschland erst 13 bestätigte Fälle – die Dürre bremst die Wirbel
Vier Hitzewellen, Rekordtrockenheit und immer wieder kräftige Gewitter – und trotzdem eine auffällig ruhige Tornadosaison. Der Deutsche Wetterdienst hat Zwischenbilanz gezogen: Bis Ende Juli standen nur 13 bestätigte Fälle in der Statistik, weit weniger als üblich. Der Grund liegt paradoxerweise in genau jener Wetterlage, die diesen Sommer prägt.
13 statt 49 – und ein Start mit Verspätung
DWD-Meteorologe Marcus Beyer zog am 31. Juli Bilanz: Bis Ende Juli waren in Deutschland nur 13 Tornados bestätigt. Im langjährigen Mittel kommen rund 49 bestätigte Fälle pro Jahr zusammen. Auffällig ist auch der Beginn der Saison. Der erste Tornado des Jahres wurde erst am 3. Juni registriert, als drei Wasserhosen bei Borkum über die Nordsee zogen – der späteste Saisonstart seit dem Jahr 2000. Die unabhängige Tornadoliste Deutschland führt für 2026 bislang 82 Einträge, davon aber nur 13 bestätigte und 68 noch offene Verdachtsfälle. 2022 und 2024 waren es jeweils rund 200 Einträge.
Warum blockierende Hochs die Rotation verhindern
Tornados entstehen nicht durch Hitze allein. Nötig sind feuchte Luft in den unteren Schichten und ein Wind, der mit der Höhe zunimmt und dreht – die sogenannte Scherung. Genau das fehlt bei blockierenden Hochdrucklagen, wie sie den Sommer 2026 prägen: Sie liefern Wärme, aber trockene Luftmassen und schwachen Höhenwind. Über ausgedörrten Böden liegt zudem die Wolkenbasis sehr hoch, sodass Gewitter ihre Energie eher in kräftige Fallwinde umsetzen als in bodennahe Rotation. Das Dürrejahr 2018 endete aus ähnlichen Gründen bei nur 26 bestätigten Fällen.
Zwei Ausnahmen – und ein offener Rest des Sommers
Zwei Ereignisse ragen heraus. Am 1. Juli zog eine fotogene Wasserhose über den Bodensee bei Friedrichshafen. Am Abend des 26. Juli bildeten sich an der Unterelbe mindestens drei Tornados. Einer traf gegen 18:52 Uhr den Süden von Glückstadt, die Engelbrechtsche Wildnis und Herzhorn, riss Gartenhäuser von den Fundamenten und beschädigte acht Häuser schwer. Ob ein weiterer Wirbel die Stufe IF2 mit etwa 220 Kilometern pro Stunde erreichte, prüft der DWD noch. August und September liefern regelmäßig Nachschub: Für den 3. August liegen neue Verdachtsmeldungen aus der Pfalz und aus Thüringen vor.